ISO 409600 und der Pixelmatsch

Das Problem mit ISO hatte ich erstmals bewußt als ich meine Nikon D90 mit einer neueren Digitalkamera verglichen habe.

Plötzlich waren ISO 6400 out.

Bei dkamera.de wird sehr schön die Bildqualität verschiedener Digitalkameras verglichen. Ich verglich dort damals die Nikon D90 mit ISO 6400 und andere Digitalkameras mit höheren ISO-Zahlen. Bei dkamera gibt es ja den Schraubenkopf als Beispiel für die fotografische Leistungsfähigkeit.

Und ich stellte fest, daß die Nikon D90 nur so hoch geht wie das Foto auch noch ganz benutzbar ist wie ich am Schraubenkopf sehen konnte, der dann auch noch scharf zu sehen war mit allen Windungen.

Und dann kamen die Digitalkameras mit ISO 51200 und höher. Und da war dann zu sehen, daß es keinen Schraubenkopf mehr gab sondern zunehmend Pixelmatsch.

Je höher die ISO desto mehr Pixelmatsch.

Daraus ergab sich für mich, daß die ISO Zahl, die etwas über Lichtempfindlichkeit im Verhältnis zu benutzbaren Fotos aussagt, ersetzt wurde durch eine ISO Zahl, die nur noch etwas über die Lichtempfindlichkeit ohne Nutzen aussagt.

Fotografieren bedeutet malen mit Licht. Wenn ich in einem Raum ohne Licht fotografiere, kann ich kein Licht malen.

Im Fotomagazin 5/19 wird gerade darüber diskutiert, wer die beste Kamera mit ISO 25600 hat.

Genau hier setzt nun meine Logik aus, wenn mir ein Smartphone präsentiert wird, das in einem Raum ohne Licht ein helles Foto erstellt mit ISO 409600.

Dies bedeutet, es ist ein Nachtsichtgerät aber kein Fotoapparat, der das zeigt, was das Licht hergibt sondern es ist ein Produkt errechneter Möglichkeiten.

Damit ist aber ISO 409600 nicht mehr das, was ich darunter verstanden habe als Hinweis auf Lichtausbeute beim Erstellen eines Fotos sondern es ist ein Wert, der in einem anderen Zusammenhang auftaucht.

Die Wikipedia schreibt: “ Je höher die Zahl, desto weniger Licht wird beim Fotografieren benötigt, ergo verringert sich die notwendige Belichtungszeit – der Fotograf spricht dann von einem „schnellen Film“. Dabei ist aber zu beachten, dass mit höherer Filmempfindlichkeit die Bildinformation abnimmt. Das macht sich im Lichtbild durch gröberes Filmkorn, das insbesondere bei der Schwarzweißfotografie auch ein gewünschtes Stilmittel sein kann, beziehungsweise als unerwünschtes Bildrauschen und geringeren Dynamikumfang in der Digitalfotografie bemerkbar. “

Dabei bezog man sich auf Filme und später auf Sensoren als digitaler Filmersatz. Damit meinte man, wenn man mit ISO xy vielleicht 1/125 Sekunde belichtet, dann ergibt sich dabei in verschiedenen Lichtsituationen folgende Lichtaufnahme.

Seitdem Fotos auch als Fotos gelten, wenn sie zusammengerechnet sind, ist alles anders. Und so verstehe ich nun auch wie man Werbung für ISO 409600 macht.

Es ist aber etwas anderes, nämlich ein Kunstprodukt, ein AI oder KI Produkt. Es ist ein Nachtsichtgerät aber keine wirkliche Fotokamera im herkömmlichen Sinn, die das zeigt, was das Licht zeigt.

Insofern hinkt der Vergleich mit der Sony A7s II an allen Ecken und Kanten, weil ich beim Huawei eben nicht mal mit ISO 409600 eine 1/125 aufnahmen kann sondern nur ein Foto, das sich selbst zusammenrechnet und dabei dann auf ISO 409600 kommt und dann selbständig die Lichtverhältnisse definiert. Wobei das Foto bei der Sony mit 409600 und 1/125 natürlich auch nicht gut aussieht sondern eher so wie wenn man etwas nur noch kaum erkennt weil es so dunkel ist …

Aber es ist eben etwas völlig anderes und hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.

Nun muß man wissen, daß mir die Kameras dieser Hersteller egal sind, aber nicht der Versuch, mich als potentiellen Kunden mit Marketingversprechen in die Irre zu führen.

Und deshalb habe ich diesen Gedankengang entwickelt.

Ich habe beim Huawei P20 Pro festgestellt, daß dieses einen Sensor hat, der in dieser Größe früher in einer Olympus XZ1 und XZ2 war. Die Olympus XZ1 ist immer noch gut allerdings überholt. Aber in welchem Gehäuse so ein Sensor steckt um eine Digitalkamera zu sein, ist ja letztlich egal und deshalb kann er auch in ein Huawei.

Es gefällt mir auch, wenn gute Fotos bei schlechtem Licht gemacht werden können. Doch sollten diese so sein wie die Lichtverhältnisse sind, es sei denn ich will ein Nachtsichtgerät. Und deshalb gefällt es mir nicht, wenn mir das Marketing Zusammenhänge nicht richtig erläutert, die für mich wichtig sind. Und die meisten „Tester“ das auch noch so „testen“, trörööö.

Deshalb meine Zeilen hier, die vielleicht auch für andere Menschen interessant sind.

 

1 Kommentar

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Hi michael,

finde den Gedankengang sehr gut. Ehrlich gesagt habe ich darüber so gar nicht nachgedacht. Wenn kein licht da ist ist es quasi ein nachtsichtkamera. ja, da ist was dran. es ist dann ein helles bild aber eben ohne lichtstimmung, was ja das foto ausmacht. ich glaube einfach, dass die technik irgendwie an einen punkt der sättigung angekommen ist. Wir haben ausreichende ISo werte, super objektive, hohe auflösungen, schnelle autofokus system und eine menge an auswahl. und einfach die iso nach oben schrauben und damit werben ist halt einfach werben mit zahlen. und viele anwender wissen ja auch nicht was iso ist. wenn man kein fotograf ist oder sich nicht unbedingt mit dem thema auseinander setzt. es ist ein thema das die welt etwas teilt. ich bin zum beispiel leidenschaftlich mit dem smartphone am fotografieren. es ermöglicht mir neue möglichkeiten. aber das war es auch. es macht mir spass und gibt eben neue möglichkeiten. aber 90% der fälle reichen die gegegeben lichtsituatione aus. weiß erhlich gesagt gar nicht wie oft ich bei nacht fotografiert habe. eher seltenheit.

Grüße

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