Veränderungspotentiale in der Streetfotografie

Streetfotografie war immer auch ein Stück Einfangen des Zeitgeistes und der Zeitspiegelungen auf der Straße bzw. im öffentlichen Raum. Was Menschen zeigen und tun im öffentlichen Raum ist Ausdruck von Bewusstsein und Unterbewusstsein.

Heute will ich mich dabei dem Thema Strasse nähern. Denn eigentlich findet Streetfotografie im Wortsinn auf der Straße bzw. auf dem Bürgersteig statt.

Das Problem ist aber, daß es immer mehr Menschen gibt, die nicht auf Bürgersteigen gehen, weil sie nicht können oder weil gar keiner da ist.

Aber wo sind die Menschen?

Mir ist aufgefallen, daß ich immer mehr Menschen in den Konsumstrassen treffe. Im besten Fall wären dies Passagen zum Einkaufen und Bummeln wie in Leipzig, aber im Alltag außerhalb einer so tollen Stadt sind es wohl eher die Einkaufspassagen der ECE-Center der Otto-Gruppe oder eben die langen Konsumstrassen im kaufland. Es sind dort die Kauflandstrassen, in denen die Menschen einkaufen.

Ist das Streetfotografie oder soziale Fotografie?

Hinzu kommt noch etwas. Es handelt sich um Privatgelände und nicht um öffentlichen Raum. Da diese Läden die Grundversorgung der gesamten Bevölkerung ermöglichen, sind sie natürlich wesentlicher Teil der Infrastruktur. Aber es ist immer noch privat. Allerdings wird man Konsumgeräte wie Smartphones, die die Konsumenten dort nutzen und mit denen man für Konsum werben kann, kaum verbieten. Dementsprechend kann man auch die Nutzung der Fotofunktion kaum unterbinden. Aber man muß natürlich Persönlichkeitsrechte und andere Rechte akzeptieren soweit sie das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung auch in Fotos nicht einschränken.

Aber was bedeutet das für Streetfotografie?

Eigentlich sollte Streetfotografie auch weiter allein im öffentlichen Raum stattfinden, zumal sie Momente einfängt und nicht sozialeAspekte zeigen will, höchstens als zusätzliches Element.

Wie gute Streetfotografie aus meiner Sicht geht findet sich auf www.streetfotografie.org.

Soziale Fotografie als größerer Teil, der aktuelle Phänomene erfasst, ist die bessere Art und Weise, um soziales Handeln in unserer Konsumgesellschaft zu zeigen und dafür sind dann auch Bilder von Konsumstrassen gut.

Aber umgekehrt ist die Konsumstrasse für viele die einzige Straße, die sie gehen, weil sie mit dem Auto von zu Hause auf den Parkplatz ihres Einkaufsladens fahren und nur dort mit dem Einkaufswagen/rollator sich noch bewegen.

Insofern ist hier eine zusätzliche Dimension, die in den letzten Jahren immer dominanter wird.

Es sei denn man beschränkt sich auf den Blickwinkel, den es in den USA gibt: Streetfotografie als Thema in den Städten und nicht in den leeren Winkeln der Provinz.

Wenn Cartier-Bresson beispielsweise auf dem Land Fotos machte, dann war das ja auch keine Streetfotografie sondern eher surrealistische Momentfotografie geometrisch gestaltet.

Dieser Artikel dient eigentlich nur dazu, das Thema in Worte zu fassen und einzugrenzen. Wie ich damit umgehe muß ich mir noch überlegen.

Vielleicht ist der Eine oder Andere schon weiter?

 

3 thoughts on “Veränderungspotentiale in der Streetfotografie

  1. Moin. nur Stichworte.
    Ich glaube, Streetfotografie als Genre lebt heute vor allen Dingen deswegen, weiL Mitglieder sozialer Netzwerke eingeführte Begriffe benötigen um sich darzustellen und zu vernetzen. Ich gehöre übrigens dazu.
    Streetfotografie heute ist sehr verwässert, auch wenn es grandios gute Streetfotografen gibt.
    Soziale Fotografie beschreibt für mich sehr viel besser, worum es mir geht. Das Konzept erlaubt und fordert auch die Nutzung von Reportagen und Serien. Die Strasse als sozialer Ort spielt für mich darin aus verschiedenen Gründen eine dominante Rolle.
    Gute Beitrag, gut auf den Punkt gebracht 🙂

    • Ja das Kommentarmodul ist seltsam. Vor allem kann man nur in Grosschreibung Eingaben machen, obwohl hinterher alles in Groß und Klein gezeigt wird. Aber mir gefällt das WordPress-Thema so gut, weil alle Artikelfotos schwarzweiss gezeigt werden und beim Mausbewegen über dem Foto die jeweils farbige Version gezeigt wird. Das hat für mich einen besonderen Reiz, weil so immer deutlich wird wie unterschiedlich die Bildwirkung bei Monochrom und Farbe ist.

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