Das Ziel ist Sisyphos oder wenn Fotografie zufrieden oder glücklich macht

Ist der Weg das Ziel?

Darüber dachte ich nach beim Lesen einiger Gedanken von Sven Barnow in seinem Buch Psychologie der Fotografie: Kopf oder Bauch?

„Neurobiologisch gesehen beginnt unser Gehirn, vermehrt Dopamin auszuschütten, wenn wir ein für uns bedeutsames Ziel anstreben“, schreibt er. „Die Erfüllung eines Bedürfnisses ist gemäß Arthur Schopenhauer deshalb ein negatives Ereignis, da dadurch das Bedürfnis wegfällt und damit wieder Schmerz (Unlust, also ein negatives Gefühl) Einzug hält.“

Wenn der Weg das Ziel ist, dann bin ich immer angekommen, ich bin am Ziel. Wenn ich am Ziel bin, bin ich nicht mehr unterwegs.

Deshalb ist Sisyphos glücklich. Er ist immer unterwegs, weil er sein Ziel immer erreicht und es dadurch zerstört und so immer nie erreicht.

Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen…

Barnow weist darauf hin, daß niemand sich zufrieden fühlt oder aus seiner Sicht gute Fotos macht, dem sein Enthusiasmus ganz abhanden gekommen ist: „Neue Projekte, längere Auszeiten, Besuch von Workshops und Austausch mit anderen können helfen, verlorenen Enthusiasmus wiederzufinden. Das Gegenteil von Enthusiasmus ist innere Leere.“

Diese Leere können wir täglich neu mit Achtsamkeit überwinden und unser Leben neu füllen durch aktives Tun, mit der Kamera und ohne Kamera.

„Immerhin etwa 80 Prozent der gesamten Informationsverarbeitung erfolgt visuell“, schreibt Herr Barnow.

Und daher ist es wunderbar, wenn sich die Blicke dem Leben zuwenden, denn „Achtsamkeit erfordert Fokus“.

So können wir fokussieren und vielleicht fotografieren – täglich neu, denn wir fangen täglich neu an.

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