Das ist schon ein paar Zeilen wert.
An der Auferstehung von MFT in der Panasonic Lumix L10 kann man viel lernen.
Erstens habe ich noch nie so viele Videos von Influencern hintereinander auf youtube gefunden, die die Kamera vorstellten. So gut wie alle fingen in ihrem Video vorne mit dem Satz an „Ich bin hier in Osaka“…
So geht Werbung wohl heute? Ob sie die Kamera irgendwie behalten dürfen?
Nun denn die Videos waren in meinen Augen nicht viel mehr wert als eine vorgelesene Pressemitteilung – außer der sozialen Darstellung der Darsteller. Stolz und Eitelkeit …
Aber damit nicht genug!
Gegen welche Kamera wurde die neue L10 denn positioniert? Wovon will man profitieren?
Einige sagen, es sei offentlich, daß man vom Erfolg der Fuji X100 Serie profitieren wolle, daher auch die fast gleiche Größe und das eher klassische Design und die Ansage, die Kamera sei primär für Fotografen konzipiert.
Das ist ja fein.
Und dann die Relationen der Sensoren im Smartphone-Zeitalter!
Im Rückblick habe ich erlebt, daß die Bildqualität der DSLR irgendwann in die 1 Zoll Sensoren einzog als Nikon die 1er Serie und Sony die RX100 Serie produzierte.
Dann war es nach ein paar Jahren so, daß plötzlich „Vollformat“ zum Maß aller Dinge wurde.
Danach dominierten Smartphones das fotografische Denken und wollten mental und real alle Digitalkameras überflüssig machen, weil sie fotografisch ebenso gut oder besser wären oder würden.
Auch das hat sich so nicht bestätigt trotz Äquivalenzprinzip und neuen Fotomodulen.
MFT wurde dann als Kameralösung fast völlig eingestellt, obwohl es sehr viele Vorzüge hatte.
Jetzt sind wir etwas weiter.
Viele wollen nicht immer größer und immer schwerer sondern eher mittleres Maß oder Optimales statt Größenwahn.
Das gilt für Größe, Preis und vieles mehr.
In den letzten 25 Jahren haben sich auch die biologischen Verhältnisse beim Menschen nicht geändert, höchstens die Art der Bildwahrnehmung.
Insofern ist Haptik immer noch ein Thema, das vielfach ungelöst ist, weil neuer und funktionaler haptisch nicht optimaler ist.
Aber das alles findet sich irgendwie in der neuen Lumix L10 wieder. Die LX100 ist viel handlicher.
Sie hat nun eine schwenkbaren Monitor wie ihn Vlogger wollen und der so aussieht wie ein Smartphonemonitor.
Sie hat ungefähr die Größe der Fuji X100, die so erfolgreich ist und fotografisch gut.
Sie hat ein festes Zoomobjektiv im MFT Format, ein Alleinstellungsmerkmal.
Sie hat ein griffiges Gehäuse.
Und noch einiges mehr.
Was soll da also noch schiefgehen?
Sie wird ihre Käufer finden, weil sie zur richtigen Zeit in eine leere Lücke stößt und auch ihr Bedienkonzept so vereinfacht wurde, daß man ohne A und S auskommen kann, wenn man will.
Die Bildqualität ist so gut wie vorher und alles andere ist für Höchstleistungen gemacht, die ich noch nie brauchte.
Aber andere sicherlich.
Sollte die L10 jetzt dazu führen, daß ähnliche Kameras von Canon, Fuji und Nikon oder sogar Ricoh kommen, dann wären die nächsten Jahre kameratechnisch ein wahres Mekka für Neukäufe.
Ansonsten sind die schon vorhandenen Kameras aus meiner Sicht ebenso gut oder vielleicht noch besser, wenn es nicht um neustes Video geht.
Denn die Kameras waren bisher handlicher und viele hatten gut nutzbare Sucher und alles, was das Fotografenherz erfreut.
Fotografisch lebe ich aus meiner Sicht also in einer sehr schönen Zeit.
Wollen wir hoffen, daß es so bleibt.
