Schopenhauer für Sprachbehinderte?

„Sam Rokbuhm ist ein deutsches Pseudonym und der Kopf hinter dem Projekt „LesBar“.

So schreibt es die KI in Google als Ergebnis meiner Suche, nachdem ich sprachlos wurde über das, was man mit Schopenhauer macht.

Ich zitiere mal aus der Werbung auf Amazon.de:

„Endlich wieder Weisheit tanken – ohne im Labyrinth zu versinken!

„Aphorismen zur Lebensweisheit“ ist eines der brillantesten Werke der Philosophie: Ein scharfer Leitfaden zu Glück, Leid, Eitelkeit und menschlicher Natur. Schopenhauer analysiert, warum wir leiden, wie wir uns selbst im Weg stehen und wie wahres Glück entsteht – ein Text, der bis heute unsere inneren Kämpfe widerspiegelt.

Nur: Das Original aus dem Jahr 1851 ist für die meisten heute kaum noch lesbar – verschachtelte Sätze, altertümliche Formulierungen und ein Stil, bei dem man nach drei Seiten schon keine Luft mehr kriegt.

Diese LesBar-Ausgabe ändert das. Sam Rokbuhm hat Schopenhauers Meisterwerk komplett in ein klares, rasantes, heutiges Deutsch übertragen – 100 % Gedanken, 100 % Biss, 100 % Tiefe, aber endlich wieder lesbar und vor allem: zum Mitdenken.

Drei Beispiele – du spürst sofort den Unterschied:

1. Kapitel I Original Die unter der ersten Rubrik zu betrachtenden Unterschiede sind solche, welche die Natur selbst zwischen Menschen gesetzt hat; woraus sich schon abnehmen läßt, daß der Einfluß derselben auf ihr Glück, oder Unglück, viel wesentlicher und durchgreifender sein werde, als was die bloß aus menschlichen Bestimmungen hervorgehenden, unter den zwei folgenden Rubriken angegebenen Verschiedenheiten herbeiführen.

LesBar Die Unterschiede, die unter Punkt eins fallen, sind von Natur aus gegeben. Deshalb prägen sie unser Glück oder Unglück viel stärker als alles, was nur durch gesellschaftliche Regeln entsteht – also das, was zu Punkt zwei und drei gehört.

2. Kapitel II Original Dass _ dieses zu seinem Glücke viel mehr beiträgt, als was er hat, oder was er vorstellt, haben wir bereits im allgemeinen erkannt. Immer kommt es darauf an, was einer sei und demnach an sich selber habe

LesBar Wir haben schon festgestellt: Für unser Glück zählt viel mehr, wer wir sind, als was wir besitzen oder wie wir wirken. Entscheidend ist, was wir in uns tragen – das begleitet uns immer und überall.

3. Kapitel V (längeres Beispiel) Original Kein Geld ist vorteilhafter angewandt, als das, um welches wir uns haben prellen lassen: denn wir haben dafür unmittelbar Klugheit eingehandelt. .

LesBar Kein Geld ist besser angelegt als das, bei dem wir betrogen worden sind – denn dafür bekommen wir direkt Klugheit zurück.

Noch nie war Schopenhauer so direkt, so weise und so aktuell.

Perfekt für:

Philosophie-Interessierte, die Klassiker neu entdecken wollen
Alle, die tiefgründige Gedanken lieben, aber keine Lust auf Sprachmuseum haben
Schülerinnen und Schüler (Abitur, Ethik-Unterricht)
Ca. 160 Seiten geballte Weisheit – jetzt endlich wieder so, wie Schopenhauer sie heute geschrieben hätte: klar, scharf und zum Nachdenken.“

Für mich unfaßbar und völlig unverständlich, was in dem Zitat behauptet wird!

Schopenhauer hat um jedes Wort gerungen. Wie oft hat er korrigiert, um noch präziser zu werden. Um seine Worte neu zu werten, müßte man sich zunächst mal mit der Tiefe seiner Gedanken beschäftigen und dann mit dem Text auseinandersetzen. Qualität kommt von Qual!

Hier begegne ich offenbar einer flachen Welt, die jede Mühsal und Steigung vermeiden will.

Ich will mich da nicht zu lange drüber auslassen, sondern aus einem Artikel zitieren von MARIO ANDREOTTI aus der nzz vom 12.4.2026:

„Leichte Sprache ist herablassend und dumm

Kurze Sätze, einfache Worte, kein Passiv, kein Genitiv: Was inklusiv sein soll und zweifellos gut gemeint ist, fördert die Diskriminierung und die Zweiteilung der Gesellschaft. Nützlicher wäre gutes Deutsch, findet Mario Andreotti

Dass viele Jugendliche, aber auch Erwachsene grosse Mühe mit dem Lesen und Schreiben haben, also selbst einfache Texte nicht verstehen und nicht schreiben können, ist hinreichend bekannt. Was das für das Schicksal jedes einzelnen Betroffenen bedeutet, kann sich ausmalen, wer überlegt, welche Rolle sprachliche Kompetenz in seinem eigenen Lebensalltag spielt. Daher kann es auf den ersten Blick nur verständlich sein, wenn immer mehr öffentliche Institutionen und Ämter, unter ihnen das «Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen», dazu übergehen, ihre Informationen nicht nur in Normalsprache, sondern auch in sogenannter Leichter Sprache herauszugeben, damit auch Menschen mit kognitiv bedingten Leseschwierigkeiten sie verstehen.

Trotzdem ist das Unterfangen bedenklich, und zwar sowohl aus linguistischer als auch aus sozialer Sicht. Nehmen wir die linguistische Sicht vorweg: Bei der Leichten Sprache geht es um eine gänzliche Reduktion der Standardsprache, ja um eine Simplifizierung der Sprache. So werden keine langen Wörter («Umweltschutzgesetz») und schon gar keine Fremdwörter verwendet (nicht «Das war fatal», sondern «Das war schlecht»). Dazu kommen nur kurze Sätze, wobei jeder Satz lediglich eine Aussage enthält («Ich bin Hans Maier. Ich komme aus Bern. Jetzt wohne ich in Luzern.»). Und so werden Sätze in der Passivform («Die Preiserhöhung wurde genehmigt.»), aber auch der Konjunktiv («Man müsste mehr tun.») vermieden, wird der Genitiv in den meisten Fällen durch eine präpositionale Fügung mit «von» ersetzt (nicht «der Besitz des Vaters», sondern «der Besitz vom Vater»), und so wird nicht zuletzt auch auf Negationen verzichtet (nicht «Für ungeübte Wanderer nicht geeignet», sondern «Nur für geübte Wanderer»).

Keine Frage: Leichte Sprache führt zu einer Verarmung unserer Sprache. Ironie, Witz und all die Zwischentöne, von denen Texte nun einmal leben, lassen sich nur schlecht oder gar nicht in sie übersetzen. Zudem macht die dauernde Wiederholung von Wörtern in der Leichten Sprache («Max arbeitet im Büro. Das Büro ist im dritten Stock.») einen Text langweilig und damit gerade weniger leicht zugänglich und vor allem weniger lesenswert. Aber nicht nur das: Leichte Sprache führt auch zu einer Verfälschung der Sprache. Einmal abgesehen davon, dass sich komplexe Inhalte kaum in Leichter Sprache wiedergeben lassen, ist die Übersetzung von der Standardsprache in diese Sprachform stets mit einer Veränderung, ja mit einem Verlust an Information verbunden. Wer beispielsweise Aussagen auf das Nebeneinander von Hauptsätzen beschränken muss, kann keine Kausalbezüge mehr herstellen: «Hanna zieht nach Aarau, weil sie dort arbeitet.»

Zu den linguistischen Bedenken treten soziale Vorbehalte: Die Leichte Sprache wendet sich, wie eingangs erwähnt, an Menschen, die über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen. Das führt zu einer höchst problematischen intellektuellen Zweiteilung unserer Gesellschaft und damit zwingend zu sozialer Diskriminierung: Hier die sprachlich Gebildeten, dort die Sprachbehinderten…“

In diesem Sinne

Schreibe einen Kommentar