Ich vermisse Leipzig so sehr – Fotografie zwischen Leiden und Leidenschaft

Leipzig habe ich fotografisch entdeckt. Ich habe mir die Stadt durch den Sucher angeeignet. Es ist eine Stadt, die mir durch ihre Größe und architektonische Großzügigkeit meine Grenzen gezeigt hat.  Sie wurde zu meiner Stadt.

Wenn ich Naumburg an der Saale erreiche, will ich nach Leipzig. Wenn ich Leipzig erreiche, will ich nach Naumburg. Diese Region ist der Quell meines Wohlergehens bis nach Zittau.

Stattdessen bin ich in Remscheid und zeige Fotos von einer Welt, die auch mental oft von gestern ist und so gar nichts mehr mit dem Aufbruch im Osten zu tun hat.

Ein Ausweichen nach Wuppertal ins neue Elberfeld hilft manchmal. Aber solange dort nur Baustellen sind, Nazilöwen grüssen und der Weg dorthin aus Umwegen besteht, bin ich blockiert, von den Kosten für den ÖPNV ganz zu schweigen.

Volker Pispers hat in seiner unnachahmlichen Art einmal gesagt, daß er die Prognosen hört, die da sagen, daß in hundert Jahren Deutschland überschwemmt wird durch den Klimawandel und Deutschland dann ein Land voller Muslime ist bei den heutigen Geburtenraten.

Er kam zu dem Schluß, daß sich ja dann die Muslime um den Klimawandel kümmern müssen und er sich ganz beruhigt zurücklehnen kann. Das war sehr scharfsinnig.

Viele Zuwanderer sind in die ostdeutschen Regionen in den letzten Jahren gegangen, allen politischen Propagandasendungen zum Trotz. Im Westen und insbesondere in NRW habe ich in den letzten Jahren eher türkische Menschen und viele Erdoganisten erlebt, während die arabischen Strukturen sich im schöneren Osten aufbauen. Dort sind auch massiv Amerikaner und Asiaten und alles ab Polen zu finden. Aber das sieht man erst, wenn man dort ist.

Und die neuen Armenhäuser sind ja nun eher in NRW zu finden, allen voran das Ruhrgebiet mit seiner Randzone, zu der auch Remscheid gehört.

Hier kann man nur in einer Randstellung leben, während es rund um Leipzig viel eher rundläuft.

Hier erlebe ich nur Abbruch statt Aufbruch.

Jeff Wall hat dazu über Fred Herzog folgendes geschrieben: „„Das soll nicht heißen, dass es nicht Fotografen gibt, die dazu in der Lage wären, dasselbe wie er zu schaffen und mit behutsamer Zuneigung jene Straßen, Eingänge, Hinterhöfe und Schaufenster einzufangen. Es geht viel eher darum, dass man, um diese Zuneigung zu empfinden, auch etwas benötigt, das sie verdient.“

Und er schreibt weiter: „Was diese Objekte der Zuneigung ersetzte, sind Gebilde, die dieses Gefühl nicht mehr auslösen können, da sie es nicht beinhalten. Es wurde ihnen nicht mitgegeben, als man sie schuf.“

Als ob er über Remscheid geschrieben hätte.

Fotografisch reich bin ich rund um Leipzig, das ist mein Ort und meine Region.

Foto Mahlke – Leipzig Streetfotografie

Vielleicht ergibt sich ja eine langfristige Gelegenheit, es wäre schön.

Mit diesen Realitäten in Remscheid in der Randzone vom Ruhrgebiet versuche ich fotografisch zu leben.

So geht Leben mit der Fotografie als Teil der eigenen Lebenszeit.

 

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